Three monkeys ignore risks

Politik im Ausland – none of my business?

Immer wieder werde ich zu Cassandra Foresight gefragt: Politische Risikoberatung – was soll das sein? Hier ein paar Überlegungen zur Politikwirtschaft und warum man in Deutschland die Wechselwirkung von „Politik im Ausland – none of my business“ besser verstehen und bei internationalen Projekten heute mitdenken muss.

Denkt man über neue Auslandsprojekte nach, so stehen meist wirtschaftliche Fragen im Vordergrund. Rentieren muss es sich, will man sich eine Auslandsinvestition leisten. Die Politik wird selbst in Ländern mit politischem Diktat gerne ausgeblendet. Maßgeblich sind Wirtschaftsindikatoren wie ein Bruttosozialprodukt oder ausländische Direktinvestitionen.

Ein überholtes Konzept? Wie schwach eine rein wirtschaftliche Prüfung ist, wenn man die politische Wirkung auf die Wirtschaft ignoriert, wird deutlich, wenn Wirtschaftsdaten, auf denen eine Kalkulation basiert, politisch manipuliert wurden. Der “Doing Business Index” der Weltbank ist nur ein Beispiel dafür.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Liegen meinen Planungen falsche Zahlen zugrunde, habe ich ein Problem. Kenne ich die Gründe nicht, warum Zahlen falsch sind, ist mein Problem ein größeres. Möchte ich Gründe nicht wissen, erlaube ich, mich auch künftig völlig blind Risiken auszusetzen, die mich in den Ruin treiben können.

Politische Risiken zu vertuschen, sie alternativ zu überschätzen oder unterzubewerten, sind heute die Regel, jedoch keine gute Idee. “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt” – so empfiehlt ein Sprichwort. Im Erkennen und Bannen von Gefahren liegt hier die bewährte Lösung.

Wer soll das erkennen? Am Beispiel eines Unternehmens lässt sich die Verantwortung für politische Risikoanalysen kaum beantworten. Für internationale Vernetzungen werden Business Development Manager eingestellt, Finanzanalysten zur Aufarbeitung von Kosten- und Leistungsrechnungen, Steuerberater für Steuern, Juristen für Gesetze… Wo aber ist der Politiker? Keine dieser Funktion bringt Kompetenzen mit, den Einfluss der Politik für Fremdmärkte zu analysieren, quantifizieren und kalkulierbar zu gestalten. Große Konzerne leisten sich spezielle Risikoanalysten, kleinere Unternehmen nicht.

Dafür haben kleinere Firmen Ländermanager, denken Sie? Dann finden Sie mal einen, der nicht nur mehrsprachig sicher durch komplexe Geschäftswelten navigiert, interkulturell hier wie dort Experte ist, Netzwerke, Organisations-, Strategie-, Marketing- und Wirtschaftskenntnisse, sowie Produktverständnis mitbringt sondern auch noch politische Risikokonzepte für Sie erstellt. Eine eierlegende Wollmilchsau läuft Ihnen vermutlich schneller über den Weg.

Qualifikationen einer „Expertise“?

Sie wollen es trotzdem wagen? Prima, wen würden Sie suchen? Eine Politikwissenschaftlerin mit Wirtschaftskenntnissen? Einen Betriebswirtschaftler mit politischer Affinität? Praktisch lässt sich die Schwierigkeit an der „Chinaexpertise“ verdeutlichen. Wie qualifiziert man sich als Chinaexperte? Reicht Ihnen zur Qualifizierung Ihres Chinaexperten jemand mit einem Auslandssemester im internationalen Shanghai? Würden Sie Ihr Spanienprojekt bedenkenlos jemandem anvertrauen, der in Palma de Mallorca ein Auslandssemester absolviert hat? Verlangen Sie einen Nachweis über mindestens ein paar erfolgreiche Projekte in China, die jemand dort durchgeführt hat? Und welcher Nachweis genügt Ihnen da? Ab wann ist jemand Chinaexperte? Müssen muttersprachliche Chinesischkenntnisse beim Kandidaten für Sie vorliegen, dass Sie jemandem Ihre Projekte anvertrauen oder verlangen Sie letztlich auch noch eine Person mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund? Und wo bleibt da die Sensibilität für Politik, die in China maßgeblich die Wirtschaft steuert? Sie sind sich als aufmerksamer Zeitungsleser schließlich bewusst, dass der Informationszugang zu China nicht nur physisch (z.B. Grenzen geschlossen) und technologisch (chinesisches vs. nicht-chinesisches Internet, Firewalls…), sondern vor allem auch parteiideologisch über „gute Kontakte“ geprägt und erschwert ist.

Fakt ist: Passende Profile, die Kompetenzen für politische Risikonanalysen in z.B. aussenwirtschaftlichen Projekten vermuten lassen, gibt es kaum. Ein Umstand, dem das geschuldet ist, ist in Deutschland eine klare Trennung von Wirtschaft und Politik. Wenige in Deutschland sind sowohl wirtschaftlich als auch politisch geschult. Und genau dort liegt ein Problem, wenn man mit Ländern kooperiert, in denen Wirtschaft und Politik nicht getrennt voneinander wirken.

Sobald sich mein Projekt aus einem marktwirtschaftlichen Raum heraus begibt in einen Raum, in dem die Politik wirtschaftliche Entwicklungen diktiert, habe ich es selbst auch mit der Politik zu tun. Seit der in Deutschland verbreiteten Annahme, durch Handel wäre auch Wandel möglich, ist eine Diskussion politischer Verhältnisse in außenwirtschaftlichen Aktivitäten allerdings weitgehend verstummt. Nur, weil die Verflechtung von Politik und Wirtschaft in Deutschland nicht gesehen wird, ist sie dennoch nicht inexistent.

Politische Risikoanalysen gehören ins 1×1 internationaler Projekte

Ob wir es sehen wollen oder nicht, politische Unterschiede wirken im internationalen Wirtschaftsraum. In Geschäften mit Indien kommen Sie um eine Analyse von Modis politischen Einwirkungen auf die Wirtschaft allein zur Einschätzung von der Validität neuer Wirtschaftsdaten nicht herum; in China müssen Sie heute die Strategie der Kommunistischen Partei durchleuchten, damit sie eine Balance zwischen politischen Interessen aus China und wirtschaftlichen Interessen aus ihrem Herkunftsland finden; pflegen Sie Beziehungen zu Taiwan, dann setzen Sie sich sicherlich schon mit sicherheitspolitischen Fragen auseinander. So lässt sich die Reihe politischer Einflüsse auf die Außenwirtschaft fortsetzen.

Spannend ist auch das Feld der Cybersicherheit. Nicht Ihr Thema? Kein Wunder, in Deutschland tut man sich laut Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik damit recht schwer. Sobald Sie mit Daten arbeiten, die Sie mit Hilfe von internetfähigen Geräten erheben, diese nicht nur auf Papier teilen und auch nicht ausschließlich per Brieftaube senden, sind sie bei internationalen Geschäftspraktiken gut beraten, sich mit den jeweiligen fremdländischen Regelungen der Datenspeicherung, Verarbeitung derer und auch der Hoheit über Daten bewusst zu werden, bevor Sie Ihr Know-How in einen anderen Rechtsraum einbringen. In welchen Raum eigentlich? In welchem Fall kennt Cybersicherheit Ländergrenzen, in welchem nicht? Hat man internationale Projekte, muss man diese Frage beantworten können, sonst läuft man Gefahr, die Hoheit über seine Daten zu verlieren, bei der Verarbeitung von Daten gegen fremde Gesetze zu verstoßen oder Daten etwa gar nicht mehr zu finden, weil der Zugang dazu plötzlich fehlt.

Nicht die Gefahr ist dabei das Problem, es ist der Umgang mit ihr. Selbst wenn man Cybergefahren ignoriert, so sind sie doch da. Und Cybersicherheit, Sie ahnen es, wird von jedem Einzelnen mitverantwortet. Rahmenbedingungen für länderbezogene Cyberaktivitäten steuert allerdings die Politik. Sehen Sie beispielsweise nach China, finden Sie dort eine Vielzahl von Neuerungen zum Datenschutz, zur Datenspeicherung oder -verarbeitung. Je besser Sie die politische Entwicklung des Landes kennen, desto besser können Sie abschätzen, was Sie dort erwartet. Das trifft nicht nur auf die Cybersicherheit zu.

International kooperieren? Aber sicher!

Ohne Sensibilität für politische Implikationen in internationalen Projekten sind Sie heute komplexen interdisziplinären Gefahren ausgeliefert. Ob dadurch, dass Sie eine notwendige Sorgfaltsprüfung zur Einhaltung menschenrechtlicher Standards in Lieferketten ausblenden, sich in autokraten Staaten durch unpassende Kommentare selbst zum Staatsfeind erklären oder einfach nur falsch kalkulieren, weil Ihnen das Bewusstsein über politisch-manipulierte Daten fehlt. Internationale Kooperationen sind toll, aber nur sichere Kooperationen zahlen sich aus.

Zur Absicherung internationaler Projekte gehört heute eine Analyse politischer Interessen genau so zum 1×1 der Risikoprüfung wie die der wirtschaftlichen Rentabilität.

Neben der Disziplin „Wirtschaftspolitik“ ist es Zeit, auch wieder „Politikwirtschaft“ zu beherrschen.

Kontaktieren Sie gerne Cassandra Foresight für mehr Informationen.